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/grill-me von Matt Pocock:
eine echte Preisentscheidung durchgegrillt.
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/grill-me soll einen Plan durch kompromisslose Rückfragen schärfen, statt
ihn unkommentiert abzunicken. /grill-with-docs tut dasselbe und schreibt
dabei Glossar und Architekturentscheidungen mit. Um zu sehen, was dabei tatsächlich
herauskommt, habe ich keine erfundene Design-Diskussion simuliert, sondern eine echte,
unentschiedene Preisfrage aus PlantWiz vorgelegt und drei Runden lang beantwortet.
productivity/grill-me,
productivity/grilling und engineering/domain-modeling. Getestet in
einem isolierten Git-Worktree von PlantWiz, einer produktiven Vue-3-Anwendung mit
Node-Backend, damit die laufende Arbeit im eigentlichen Repository unberührt bleibt. Die
Fragen und Antworten unten sind der tatsächliche Gesprächsverlauf, gekürzt um Wiederholungen,
das vollständige Transkript liegt hier.
Was die Skills genau vorschreiben
/grill-me ist, anders als der Name vermuten lässt, kein eigenständiger
Interview-Mechanismus. Die Skill-Datei enthält nur einen Verweis: „Call the Skill tool with
'grilling'." Die eigentliche Logik steckt in grilling, das mit
disable-model-invocation: true ebenso wie /handoff aus dem
früheren Beitrag nie von selbst startet.
grilling schreibt vier Regeln fest:
- Design-Baum statt Fragenliste: jede Entscheidung verzweigt in die Entscheidungen, die von ihr abhängen.
- Frontier-Prinzip: nur Fragen stellen, deren Voraussetzungen schon geklärt sind. Fragen, deren Antwort von einer noch offenen Frage abhängt, gehören in eine spätere Runde.
- Fakten sind Agentensache, Entscheidungen sind Nutzersache: Was sich im Code oder Dateisystem nachschauen lässt, soll der Agent selbst klären, nicht erfragen.
- Ende erst bei leerer Frontier: Die Runde ist fertig, wenn jeder Ast des Baums besucht wurde, nicht wenn die erste Antwort plausibel klingt.
/grill-with-docs ist im Original-Repository noch dünner als /grill-me:
die Skill-Datei ruft schlicht zwei Skills gleichzeitig auf, grilling und
domain-modeling. Letzteres schreibt, sobald ein Begriff im Gespräch feststeht,
live in CONTEXT.md (ein reines Glossar, ausdrücklich ohne Implementierungsdetails)
und legt eine ADR unter docs/adr/ an, ein Architecture
Decision Record: ein kurzes, durchnummeriertes Dokument, das festhält, welche
Design-Entscheidung getroffen wurde und warum, damit sie später nicht ohne Kontext wieder
infrage gestellt wird. Eine ADR entsteht aber nur, wenn eine Entscheidung alle drei
Bedingungen erfüllt: schwer rückgängig zu machen, ohne Kontext überraschend, und Ergebnis eines
echten Zielkonflikts.
Der Testfall: eine echte, unentschiedene Preisfrage
LAUNCH-TODO.md in PlantWiz listet unter Phase 3 „Pricing final festlegen" als
offenen Punkt, mit einem Platzhalter-Vorschlag von 4,99 €/Monat bzw. 29,99 €/Jahr. Im Code
existierte die Free/Pro-Grenze bereits: backend/src/utils/planLimits.ts erlaubte
kostenlos 3 Gärten und 1000 Pflanzen pro Garten, eine Grenze, die praktisch niemand erreicht.
Kein erfundenes Beispiel, sondern der tatsächliche Stand des Repositories an dem Tag, an dem
ich den Skill ausgelöst habe.
| Ergebnis der Session | Wert |
|---|---|
| Interview-Runden | 3 (dazu 1 Runde im strikten Frontier-Format für /grill-with-docs) |
| Gestellte Rückfragen | 10 |
| Ausgangsvorschlag | Jahresabo, 4,99 €/Monat bzw. 29,99 €/Jahr, Free-Grenze 1000 Pflanzen |
| Endergebnis | Saison-Abo März–Oktober, Free-Grenze 100 Pflanzen, saisonal gesteuerte Trial |
| Vom Skill selbst als eigene Setzung markiert | 1 Empfehlung (Beta-Nutzer-Übergang) |
Runde für Runde: wie sich der Plan verändert hat
Die erste Runde stellte die unbequeme Grundfrage direkt: Bei einer Free-Grenze von 1000 Pflanzen, die niemand erreicht, was genau sollte einen Nutzer zum Bezahlen bewegen? Dazu kamen Rückfragen zur Herkunft der Preiszahlen, zur Trial-Länge und zur Kopplung mit den Beta-Gutscheinen aus Phase 2. Die Antwort auf die Preisfrage änderte den Rest der Sitzung: „Das Problem ist, dass im Winter niemand diese App benötigt."
Naives Jahresabo
4,99 €/Monat bzw. 29,99 €/Jahr, Free-Grenze 1000 Pflanzen. Der Ausgangsvorschlag aus
LAUNCH-TODO.md, unverändert übernommen.
Free-Grenze gesenkt, Widerspruch offengelegt
Free-Grenze auf 100 Pflanzen gesenkt. Gleichzeitig wird sichtbar: Ein Jahresabo für eine App, die im Winter „niemand benötigt", rechnet fünf ungenutzte Monate mit ein und stützt sich auf Kündigungsträgheit statt auf Nutzen.
Reparaturversuch verworfen
Die naheliegende Reparatur, das Winterproblem über ein Lagerverwaltungs-Feature auszugleichen, wurde in derselben Antwort selbst verworfen: „bringt wahrscheinlich kaum etwas." Der Widerspruch aus Schritt 2 blieb damit ungelöst.
Saison-Abo statt Jahresabo
Auf die erneute Nachfrage, was den Jahrespreis dann noch rechtfertigt, kam die eigentliche Entscheidung: Pro nur für März–Oktober abrechnen, Trial nur außerhalb des Winters starten. Eine Antwort, die im ursprünglichen Vorschlag nicht vorkam.
grilling eigentlich
vorschreibt, „die Entscheidungen sind Sache des Nutzers, nie des Agenten" steht wörtlich in der
Skill-Datei. Wenn der Nutzer die Entscheidung zurückreicht, wird daraus in der Praxis doch eine
Agentenentscheidung, nur transparent benannt statt stillschweigend getroffen.
Der Unterschied zu /grill-with-docs
Die ersten drei Runden liefen mit reinem /grill-me: Fragen, Antworten,
Entscheidungen, nichts davon landet in einer Datei. Für den letzten Schritt, zwei restliche
Detailfragen zur Free-Grenzen-Validierung und zum Beta-Übergang, habe ich
grill-with-docs und domain-modeling zusätzlich installiert und
dieselbe Sitzung damit fortgesetzt. Sobald die Frontier leer war, entstanden ungefragt zwei
Dateien:
# PlantWiz
Web-App zur Beet- und Gartenplanung für Hobbygärtner.
## Language
**Saison-Abo**:
Pro-Abonnement, das nur für den Zeitraum März–Oktober abgerechnet wird, weil die
App außerhalb der Anbausaison kaum genutzt wird.
_Avoid_: Jahresabo, Dauerabo
**Free-Grenze**:
Die Nutzungsobergrenze im kostenlosen Plan, ab der ein Upgrade auf Pro nötig wird.
_Avoid_: Limit, Kontingent
und, weil die Entscheidung alle drei ADR-Kriterien erfüllte (schwer rückgängig zu machen, ohne Kontext überraschend, Ergebnis eines echten Zielkonflikts):
# Saison-Abo statt Jahresabo für Pro
PlantWiz wird außerhalb der Anbausaison kaum genutzt. Ein klassisches Jahresabo
rechnet fünf Monate mit ein, in denen der Nutzer keinen Gegenwert erhält, und
stützt sich damit auf Kündigungsträgheit statt auf tatsächlichen Nutzen. Ein
geprüfter Vorschlag, die Wintermonate über ein Lagerverwaltungs-Feature
aufzuwerten, wurde verworfen. Entscheidung: Pro wird nur für März–Oktober
abgerechnet, die Trial startet ebenfalls nur innerhalb dieses Zeitraums.
Dauerhafte Dokumentation nach der Sitzung
Gleiche Entscheidung, gleiche Sitzung, nur der letzte Schritt unterscheidet sich.
with-docs
509 Zeichen Glossar, 664 Zeichen ADR. Kein Kompressionswert wie bei /handoff, denn
das ist nicht der Zweck: Ohne domain-modeling steht die Saison-Abo-Entscheidung
ausschließlich im Chatverlauf dieser Sitzung, für den nächsten Blick ins Repository unsichtbar.
Mit ihm liegt in zwei knappen Dateien, warum PlantWiz kein Jahresabo mehr verkauft, für jeden,
der das Repository danach öffnet, egal ob Mensch oder Agent.
Direkter Vergleich zu den naheliegenden Alternativen
| /grill-me | /grill-with-docs | Direkt entscheiden, ohne Interview | |
|---|---|---|---|
| Deckt Widersprüche im eigenen Plan auf | ja, durch gezielte Rückfragen | ja, plus Abgleich gegen bestehendes Glossar | nein, nur was einem selbst auffällt |
| Hinterlässt dauerhafte Doku | nein | ja, CONTEXT.md und ADRs | nein, außer man schreibt selbst |
| Zwingt zu Reihenfolge (Frontier) | ja, spätere Fragen warten auf frühere Antworten | ja, zusätzlich mit Begriffscheck | nein |
| Tempo | mehrere Runden, je nach Tiefe des Themas | gleich plus Schreibzeit für Doku | am schnellsten |
| Risiko | Agentenempfehlung bei zurückgereichten Entscheidungen | dasselbe Risiko, plus Gefahr überflüssiger ADRs bei zu spendabler Auslegung der drei Kriterien | blinde Flecken bleiben blind |
Wann sich das lohnt
Ein Plan, der sich zu glatt anfühlt
Wenn ein Vorschlag wie „4,99 €/Monat, 29,99 €/Jahr" schnell feststeht, aber niemand die Zahlen gegen die tatsächliche Nutzung geprüft hat. Genau der Fall aus diesem Test.
Entscheidung soll im Code auffindbar bleiben
/grill-with-docs statt /grill-me, sobald die Entscheidung
hart rückgängig zu machen ist. Ein Preis, den man nach Launch wieder ändert, ärgert
Bestandskunden; das gehört in eine ADR, nicht nur in den Chatverlauf.
Reine Umsetzungsfrage ohne echte Alternative
/grill-me weglassen. Wenn es nur einen vernünftigen Weg gibt, erzeugt das
Interview vor allem Fragen, die sich selbst beantworten, und kostet nur Zeit.
/grill-with-docs bewahrt das Ergebnis in zwei Dateien, die bei reinem
/grill-me nach Sitzungsende ohne manuelles Nachschreiben verloren gegangen wären.
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