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/grill-me von Matt Pocock:
eine echte Preisentscheidung durchgegrillt.

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17. September 2026 · Lesezeit ca. 10 Minuten

/grill-me soll einen Plan durch kompromisslose Rückfragen schärfen, statt ihn unkommentiert abzunicken. /grill-with-docs tut dasselbe und schreibt dabei Glossar und Architekturentscheidungen mit. Um zu sehen, was dabei tatsächlich herauskommt, habe ich keine erfundene Design-Diskussion simuliert, sondern eine echte, unentschiedene Preisfrage aus PlantWiz vorgelegt und drei Runden lang beantwortet.

Transparenzhinweis: Die Skills stammen aus Matt Pococks öffentlichem Skills-Repository (MIT-Lizenz), Ordner productivity/grill-me, productivity/grilling und engineering/domain-modeling. Getestet in einem isolierten Git-Worktree von PlantWiz, einer produktiven Vue-3-Anwendung mit Node-Backend, damit die laufende Arbeit im eigentlichen Repository unberührt bleibt. Die Fragen und Antworten unten sind der tatsächliche Gesprächsverlauf, gekürzt um Wiederholungen, das vollständige Transkript liegt hier.

Was die Skills genau vorschreiben

/grill-me ist, anders als der Name vermuten lässt, kein eigenständiger Interview-Mechanismus. Die Skill-Datei enthält nur einen Verweis: „Call the Skill tool with 'grilling'." Die eigentliche Logik steckt in grilling, das mit disable-model-invocation: true ebenso wie /handoff aus dem früheren Beitrag nie von selbst startet. grilling schreibt vier Regeln fest:

/grill-with-docs ist im Original-Repository noch dünner als /grill-me: die Skill-Datei ruft schlicht zwei Skills gleichzeitig auf, grilling und domain-modeling. Letzteres schreibt, sobald ein Begriff im Gespräch feststeht, live in CONTEXT.md (ein reines Glossar, ausdrücklich ohne Implementierungsdetails) und legt eine ADR unter docs/adr/ an, ein Architecture Decision Record: ein kurzes, durchnummeriertes Dokument, das festhält, welche Design-Entscheidung getroffen wurde und warum, damit sie später nicht ohne Kontext wieder infrage gestellt wird. Eine ADR entsteht aber nur, wenn eine Entscheidung alle drei Bedingungen erfüllt: schwer rückgängig zu machen, ohne Kontext überraschend, und Ergebnis eines echten Zielkonflikts.

Der Testfall: eine echte, unentschiedene Preisfrage

LAUNCH-TODO.md in PlantWiz listet unter Phase 3 „Pricing final festlegen" als offenen Punkt, mit einem Platzhalter-Vorschlag von 4,99 €/Monat bzw. 29,99 €/Jahr. Im Code existierte die Free/Pro-Grenze bereits: backend/src/utils/planLimits.ts erlaubte kostenlos 3 Gärten und 1000 Pflanzen pro Garten, eine Grenze, die praktisch niemand erreicht. Kein erfundenes Beispiel, sondern der tatsächliche Stand des Repositories an dem Tag, an dem ich den Skill ausgelöst habe.

Ergebnis der SessionWert
Interview-Runden3 (dazu 1 Runde im strikten Frontier-Format für /grill-with-docs)
Gestellte Rückfragen10
AusgangsvorschlagJahresabo, 4,99 €/Monat bzw. 29,99 €/Jahr, Free-Grenze 1000 Pflanzen
EndergebnisSaison-Abo März–Oktober, Free-Grenze 100 Pflanzen, saisonal gesteuerte Trial
Vom Skill selbst als eigene Setzung markiert1 Empfehlung (Beta-Nutzer-Übergang)

Runde für Runde: wie sich der Plan verändert hat

Die erste Runde stellte die unbequeme Grundfrage direkt: Bei einer Free-Grenze von 1000 Pflanzen, die niemand erreicht, was genau sollte einen Nutzer zum Bezahlen bewegen? Dazu kamen Rückfragen zur Herkunft der Preiszahlen, zur Trial-Länge und zur Kopplung mit den Beta-Gutscheinen aus Phase 2. Die Antwort auf die Preisfrage änderte den Rest der Sitzung: „Das Problem ist, dass im Winter niemand diese App benötigt."

1

Naives Jahresabo

4,99 €/Monat bzw. 29,99 €/Jahr, Free-Grenze 1000 Pflanzen. Der Ausgangsvorschlag aus LAUNCH-TODO.md, unverändert übernommen.

2

Free-Grenze gesenkt, Widerspruch offengelegt

Free-Grenze auf 100 Pflanzen gesenkt. Gleichzeitig wird sichtbar: Ein Jahresabo für eine App, die im Winter „niemand benötigt", rechnet fünf ungenutzte Monate mit ein und stützt sich auf Kündigungsträgheit statt auf Nutzen.

3

Reparaturversuch verworfen

Die naheliegende Reparatur, das Winterproblem über ein Lagerverwaltungs-Feature auszugleichen, wurde in derselben Antwort selbst verworfen: „bringt wahrscheinlich kaum etwas." Der Widerspruch aus Schritt 2 blieb damit ungelöst.

4

Saison-Abo statt Jahresabo

Auf die erneute Nachfrage, was den Jahrespreis dann noch rechtfertigt, kam die eigentliche Entscheidung: Pro nur für März–Oktober abrechnen, Trial nur außerhalb des Winters starten. Eine Antwort, die im ursprünglichen Vorschlag nicht vorkam.

Ein Moment, der auffällt: Auf die Frage nach dem Beta-Nutzer-Übergang antwortete ich schlicht „Entscheide du". Der Skill lieferte daraufhin eine Empfehlung (Pro dauerhaft kostenlos für Beta-Nutzer), kennzeichnete sie aber ausdrücklich als eigene Setzung, nicht als Ableitung aus meinen Antworten: „Das ist aber meine Setzung, keine neutrale Ableitung aus dem, was du gesagt hast." Das ist genau das Gegenteil dessen, was grilling eigentlich vorschreibt, „die Entscheidungen sind Sache des Nutzers, nie des Agenten" steht wörtlich in der Skill-Datei. Wenn der Nutzer die Entscheidung zurückreicht, wird daraus in der Praxis doch eine Agentenentscheidung, nur transparent benannt statt stillschweigend getroffen.

Der Unterschied zu /grill-with-docs

Die ersten drei Runden liefen mit reinem /grill-me: Fragen, Antworten, Entscheidungen, nichts davon landet in einer Datei. Für den letzten Schritt, zwei restliche Detailfragen zur Free-Grenzen-Validierung und zum Beta-Übergang, habe ich grill-with-docs und domain-modeling zusätzlich installiert und dieselbe Sitzung damit fortgesetzt. Sobald die Frontier leer war, entstanden ungefragt zwei Dateien:

# PlantWiz

Web-App zur Beet- und Gartenplanung für Hobbygärtner.

## Language

**Saison-Abo**:
Pro-Abonnement, das nur für den Zeitraum März–Oktober abgerechnet wird, weil die
App außerhalb der Anbausaison kaum genutzt wird.
_Avoid_: Jahresabo, Dauerabo

**Free-Grenze**:
Die Nutzungsobergrenze im kostenlosen Plan, ab der ein Upgrade auf Pro nötig wird.
_Avoid_: Limit, Kontingent

und, weil die Entscheidung alle drei ADR-Kriterien erfüllte (schwer rückgängig zu machen, ohne Kontext überraschend, Ergebnis eines echten Zielkonflikts):

# Saison-Abo statt Jahresabo für Pro

PlantWiz wird außerhalb der Anbausaison kaum genutzt. Ein klassisches Jahresabo
rechnet fünf Monate mit ein, in denen der Nutzer keinen Gegenwert erhält, und
stützt sich damit auf Kündigungsträgheit statt auf tatsächlichen Nutzen. Ein
geprüfter Vorschlag, die Wintermonate über ein Lagerverwaltungs-Feature
aufzuwerten, wurde verworfen. Entscheidung: Pro wird nur für März–Oktober
abgerechnet, die Trial startet ebenfalls nur innerhalb dieses Zeitraums.

509 Zeichen Glossar, 664 Zeichen ADR. Kein Kompressionswert wie bei /handoff, denn das ist nicht der Zweck: Ohne domain-modeling steht die Saison-Abo-Entscheidung ausschließlich im Chatverlauf dieser Sitzung, für den nächsten Blick ins Repository unsichtbar. Mit ihm liegt in zwei knappen Dateien, warum PlantWiz kein Jahresabo mehr verkauft, für jeden, der das Repository danach öffnet, egal ob Mensch oder Agent.

Direkter Vergleich zu den naheliegenden Alternativen

/grill-me/grill-with-docsDirekt entscheiden, ohne Interview
Deckt Widersprüche im eigenen Plan aufja, durch gezielte Rückfragenja, plus Abgleich gegen bestehendes Glossarnein, nur was einem selbst auffällt
Hinterlässt dauerhafte Dokuneinja, CONTEXT.md und ADRsnein, außer man schreibt selbst
Zwingt zu Reihenfolge (Frontier)ja, spätere Fragen warten auf frühere Antwortenja, zusätzlich mit Begriffschecknein
Tempomehrere Runden, je nach Tiefe des Themasgleich plus Schreibzeit für Dokuam schnellsten
RisikoAgentenempfehlung bei zurückgereichten Entscheidungendasselbe Risiko, plus Gefahr überflüssiger ADRs bei zu spendabler Auslegung der drei Kriterienblinde Flecken bleiben blind

Wann sich das lohnt

1

Ein Plan, der sich zu glatt anfühlt

Wenn ein Vorschlag wie „4,99 €/Monat, 29,99 €/Jahr" schnell feststeht, aber niemand die Zahlen gegen die tatsächliche Nutzung geprüft hat. Genau der Fall aus diesem Test.

2

Entscheidung soll im Code auffindbar bleiben

/grill-with-docs statt /grill-me, sobald die Entscheidung hart rückgängig zu machen ist. Ein Preis, den man nach Launch wieder ändert, ärgert Bestandskunden; das gehört in eine ADR, nicht nur in den Chatverlauf.

3

Reine Umsetzungsfrage ohne echte Alternative

/grill-me weglassen. Wenn es nur einen vernünftigen Weg gibt, erzeugt das Interview vor allem Fragen, die sich selbst beantworten, und kostet nur Zeit.

Ehrliche Zusammenfassung: Ein Durchlauf, von mir selbst geführt und bewertet, an einer echten, offenen Preisfrage in PlantWiz. Der Skill hat einen Widerspruch aufgedeckt, den der ursprüngliche Vorschlag stillschweigend übergangen hätte, und einen konkreten Planwechsel erzwungen. Er hat aber auch, an genau der Stelle, wo ich selbst keine Entscheidung treffen wollte, offen eine eigene getroffen. Transparent benannt, aber eben doch getroffen. Und /grill-with-docs bewahrt das Ergebnis in zwei Dateien, die bei reinem /grill-me nach Sitzungsende ohne manuelles Nachschreiben verloren gegangen wären.

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